Golferlebnis im Herzen des Naturpark Taunus

Als ein Sport im Freien gehören Golf und die Natur untrennbar zusammen. Doch dass sich auf den gut angelegten Golfplätzen viele unterschiedliche Lebensräume mit den verschiedensten Tierarten befinden, war uns bisher nicht bewusst. Wir haben den Golfplatz Taunus in Weilrod besucht und nicht nur viel über den Golfsport erfahren, sondern auch festgestellt, dass der Golfplatz in besonderer Weise mit dem Schutz und Erhalt der Umwelt verbunden ist.
 
Es krabbelt, summt und brummt…

Surrende Bienen tummeln sich rund um die bunten Blüten. Wenn sie mit den Frühlingsblühern fertig sind, werden sie weiter ziehen zu den Apfelbäumen, deren Knospen sich in den nächsten Wochen in ein weiß-rosa Blütenmeer verwandeln. Etwas entfernt erwachen die Eidechsen so langsam aus ihrer Winterstarre und sammeln auf den gewärmten Steinen die ersten Sonnenstrahlen. Und durch das Totholz schlängelt sich leise eine Blindschleiche.

© André Grotjann
Hier entsteht leckerer Honig.

So viel Artenvielfalt erwartet man sicherlich auf der einen oder anderen Lichtung im Wald, aber gewiss nicht auf einem Golfplatz. Die meisten bringen die Sportflächen mit akkuraten Rasenkanten und unnatürlich leuchtendem Grün in Verbindung. Doch hier, im Herzen des Naturpark Taunus, stehe ich in der Frühlingssonne und staune über das gelebte Gegenteil. Denn beim Golfclub in Weilrod ist man sich seiner Verantwortung der Natur gegenüber bewusst. Nicht ohne Grund wurde hier in Weilrod in 2022 das Zertifikat „Lebensraum Golfplatz“ verliehen. Die üppigen Heckenstrukturen, auf dem insgesamt 60ha großen Gelände, dienen etwa als Nistgelegenheit für seltene Vogelarten und das bewusst liegen gelassene Totholz als Unterschlupf für zahlreiche Eidechsen und Schlangen. Heimische Kräuter säumen den Weg zum Clubhaus und bieten zahlreichen Insekten Nahrung.

© André Grotjann
Köstlicher Golfplatz-Honig vom Golfclub Taunus

Nur wenige Schritte weiter, werfe ich einen Blick in den Teich und erfreue mich an dem Anblick von Goldfischen, Krebsen und zahlreichen Kois. Neben der großen Streuobstwiese aus deren Ernte im Herbst Apfelsaft gewonnen wird, sind auch die sechs Bienenstöcke auf dem Weg über den Golfplatz kaum zu übersehen. Hier, in der Nähe von Loch 12 wurde in Zusammenarbeit mit einem regionalen Imker der perfekte Platz für ein neues Zuhause der Weilroder Golfbienen ausfindig gemacht, so dass sich der Golfclub Weilrod nun an seinem eigenen Bio-Honig erfreuen kann.

© André Grotjann
Der Teich dient als Wasserquelle für den Golfrasen.
Reich und alt – was ist dran am Golferimage?

Der elitär anmutende Golfsport wirkt mit seinen klaren Vorgaben, seiner eigenen Sprache und der klassischen Zielgruppe für die meisten eher einschüchternd. Auch ich bringe mit dem Begriff „Golf“ ernst schauende ältere Herren in Verbindung, die die Zeit zwischen den Abschlägen zur Pflege von geschäftlichen Beziehungen nutzen. Doch das war einmal, als die Mitgliedsgebühren und Jahresbeiträge noch so hoch waren, dass sich das Golfspiel nur ein erlauchter Kreis leisten konnte. Heute rückt das Golfspiel immer weiter in die Mitte der Gesellschaft, sogar Kinder können hier regelmäßig trainieren. Und wer als Profi irgendwann über 300 Meter weit schlagen will, der sollte auch genau jetzt anfangen.

© André Grotjann
Zwei Golfer beim entscheidenen Schlag.
Ob man nun seinen inneren Tiger Woods entfesseln möchte oder entspannt einer Sportart in der freien Natur nachgehen will: Auf dem Panoramaplatz in Weilrod ist beides möglich. 18 Löcher, laden hier dazu ein, bespielt zu werden. Hat man diese Runde geschafft, wurden nicht nur sportliche zehn Kilometer zurückgelegt, sondern auch 480 Höhenmeter bezwungen. Wer noch nie gespielt hat, sollte zuerst einen Schnupperkurs besuchen. Die finanzielle Hürde ist mit 18,- € (Stand: 2023) auch wirklich kaum erwähnenswert. Nach der ersten Einführung, und wenn man Spaß am Spiel gefunden hat, kann man die Platzreife in Wochenend-Kursen erwerben. Diese stellt sozusagen den Führerschein für das Golfspielen dar und bescheinigt, dass man den Ball, der durchaus in 150-170 km/h durch die Luft saust, beherrscht ohne andere Golfer in Gefahr zu bringen.
Auf dem Gelände des Golfclub Weilrod treffe ich Irmina Bültmann, die Vizepräsidentin des Golfclubs Taunus Weilrod für einen Rundgang.
© André Grotjann
Jetzt wissen wir, woher der Golfplatz "Panorama" seinen Namen hat.

Wer glaubt, dass die Präsidentin eines Golfclubs schon mit Schläger in der Hand auf die Welt gekommen ist, der täuscht sich. Irmina hat die Liebe zum Golf zusammen mit ihrem Mann entdeckt. Er selber hat mit 40 Jahren angefangen zu spielen, sie ist mitgekommen, um an seinem Hobby teilhaben zu können. Beim Betreten des „Greens“ war es um sie geschehen, die Trainerstunden wurden direkt gebucht. Heute kümmert sie sich um ihren eigenen Platz und gibt die Liebe zum Golfspiel an die rund 700 Mitglieder des Weilroder Golfclubs weiter. Selbstverständlich kennt sie sich bestens aus und kann mir einige Fragen beantworten.
Warum spielt man Golf?

Irmina Bültmann:

Es gibt viele Gründe, warum Menschen Golf spielen. Einige spielen Golf als Hobby, um Zeit an der frischen Luft zu verbringen, sich zu entspannen und sich körperlich zu betätigen. Andere sehen Golf auch oft als eine Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen oder um Zeit mit Freunden zu verbringen.
Das tolle an der Sportart ist, dass sie für Menschen jeden Alters geeignet ist. Denn im Gegensatz zu anderen körperlich anstrengenden Sportarten wie Fußball oder Basketball erfordert Golf keine schnellen und kräftigen Bewegungen. Stattdessen liegt der Fokus auf Technik, Präzision und Strategie, die unabhängig vom Alter verbessert werden können. Dies zeigt, dass Golf keine Frage des Alters ist und von der ganzen Familie zusammen betrieben werden kann.

© André Grotjann
Auf gehts, den Golfplatz erkunden.
Was ist so drin in einem Golfbag?

Irmina Bültmann:

Der Inhalt eines Golfbags kann je nach Bedarf und Spiel variieren, enthält aber im Wesentlichen die verschiedenen Arten von Eisen, die von den Spielern verwendet werden, um den Ball auf dem Platz zu spielen. Die Eisen sind in Abhängigkeit von ihrem Loft bzw. Neigungswinkel numerisch von 1 bis 9 nummeriert und bestimmen, wie hoch oder flach der Ball das Schlägerblatt verlässt. Insgesamt sind 14 Schläger in einem vollständigen Golfbag enthalten, für einen Anfänger genügen jedoch drei: der Putter, das Sand Wedge und 7er-Eisen, gegebenenfalls ein Wedge. Der Putter ist ein Golfschläger, der speziell für das Putten auf dem Grün verwendet wird. Mit ihm soll der Golfball mit möglichst wenig Kraftaufwand und hoher Präzision ins Loch befördert werden. Das Sandeisen, auch bekannt als Sand Wedge, wird in der Regel verwendet, um aus dem Bunker heraus zu schlagen, wo der Ball im Sand liegt. Das 7-er-Eisen ist ein vielseitiger Golfschläger, der in vielen Situationen auf dem Golfplatz eingesetzt werden kann. Und beim Wedge handelt es sich um einen Golfschläger mit besonders steilem Loft, also einer stark geneigten Schlagfläche, der besonders für kurze und hohe Schläge geeignet ist. 

© André Grotjann
Eine kleine praktische Einführung in den Golfsport.
Wie sind die Grundlagen und Regeln auf dem Golfplatz?
Wer schlägt zuerst, wer zuletzt?

Irmina Bültmann:

Beim Golf gibt es eine Reihe von Regeln, die etwa durch die Vorgaben des Deutschen Golf Verbands (DGV), den unterschiedlichen Platzregeln oder durch das Etikettenbuch vorgegeben werden. Diese Regeln sollen sicherstellen, dass das Spiel fair und sicher für alle Spieler bleibt.

Die meisten Regeln erfährt man nach und nach und sind erst bei Turnieren relevant. Eine allgemeine Regel ist etwa, dass ein Spieler nicht mehr als eine bestimmte Anzahl von Schlägen pro Loch durchführen darf. Diese Anzahl variiert je nach Schwierigkeit des Lochs und nach Art des Turniers.

© André Grotjann
Mal sehen wie es alleine funktioniert.

Die Spielreihenfolge wird im Golf oft durch die Spielstärke eines Amateurgolfers bestimmt, welche auch als Handicap bezeichnet wird. Mit Hilfe des Handicaps können Ergebnisse verschieden starker Spieler miteinander verglichen werden. Spieler mit einem höheren Handicap erhalten einen Vorteil, indem sie zusätzliche Schläge auf bestimmte Löcher erhalten. Auf diese Weise können Spieler mit unterschiedlichen Handicaps fair miteinander konkurrieren. Nach bestandener Platzreife startet man als Beginner mit einem Handicap von 54. Der Spieler mit dem niedrigeren Handicap bzw. dem besten Spiel, schlägt in der Regel zuerst ab.

© André Grotjann
Hier werden die Putt-Fähigkeiten trainiert.

Der erste Schlag einer Spielbahn, der Abschlag, wird beim Golf auf einem Tee durchgeführt. Mit diesem, in dem Boden gestochenen kleinen Stift, wird nicht nur der Abschlag erleichtert, vielmehr markiert er auch verschiedene Abschlagspositionen und ermöglicht es den Spielern mit unterschiedlichen Fähigkeiten, auf demselben Loch zu spielen. Die Farben dieser Markierungen sind von Anlage zu Anlage verschieden, jedoch gilt in der Regel folgende Farbaufteilung: die Tee-Marker für Herren sind gelb, für Damen rot, Senioren blau und Kinder grün. Da etwa bei weiblichen Spielern der Abschlag oft 20-80m kürzer ist und im Alter die Spannkraft im Körper nachlässt, braucht man diese Regelung für ein faires Spiel.
Auch wenn die Kreise der Golfer längst nicht mehr elitär sind, so sollte man trotzdem nicht in Blue Jeans auf dem Platz erscheinen. Sportlich-ordentlich ist der Dresscode. Der Golfschuh ist hierbei besonders wichtig, denn er gibt Halt bei der Drehung. Ein guter Sportschuh mit Profil genügt zum Einstieg aber auch.

© André Grotjann
Die Greenkeeper sorgen für den perfekten Rasen.
Was ist die Herausforderung dieser Sportart?

Irmina Bültmann:

Beim Golfsport gibt es verschiedene Herausforderungen, sowohl körperlich als auch geistig. So erfordert der Golfsport etwa ein hohes Maß an Konzentration und Kontrolle bei der Ausführung der Schläge. Und auch Geduld, da es viele Variablen gibt, die ein Spiel beeinflussen können. Gleichzeitig ist körperliche Fitness in Bezug auf Kraft, Flexibilität und Ausdauer notwendig. Letztendlich besteht die Herausforderung beim Golfen wohl vor allem darin, Körper und Geist in Einklang miteinander zu bringen, um das beste Ergebnis aus jedem Schlag zu erzielen.

© Kathrin Geist
Auch mein Kollege André durfte einmal probieren.

Neugierig geworden?

Der Golfclub Weilrod bietet im Mai die Möglichkeit „Golferluft“ zu schnuppern:

Pfingstsamstag, 27. Mai zum Tag der offenen Tür

Tipp:
Mit den Buslinien 61,62 und 69 ist der Golfplatz Weilrod gut von Neu Anspach und Usingen aus erreichbar (eigene RMV-Haltestelle Golfplatz/Friedwald).

Wer mehr über das Golfspiel in Weilrod erfahren will, findet das hier.

© André Grotjann

Die Autorin

Kathrin Geist
Egal, ob Europa, Amerika oder Asien – Kathrin hat die Vielfalt unserer Welt im Rahmen ihrer vorigen Tätigkeit ausgiebig schätzen und lieben gelernt. Doch daheim ist es irgendwie am schönsten. Aufgewachsen in der nahegelegenen Wetterau hat sie schon in ihrer Kindheit viele Ausflugsziele im Taunus erkundet und ist seit diesem Jahr Teil im Team des Taunus Touristik Service.
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