Kneipp-Becken kann man im Taunus häufiger finden. Im Sommer lädt das kühle Wasser ein, müde Beine zu erfrischen und nicht selten spielen Kinder am Beckenrand der niedrigen Kneipp-Becken. Doch was ist eigentlich der Hintergrund zu den erfrischenden Wasserstellen?

Wir holen etwas weiter aus

Sebastian Kneipp, ein Pfarrer aus Oberschwaben, hat die Wassertherapie vor mehr als 130 Jahren „erfunden“. So soll das sehr kühle Wasser, 16 bis 17 Grad, bei regelmäßiger Anwendung als Heilmittel wirken, denn es aktiviert den Stoffwechsel, stabilisiert den Kreislauf und regt das Immunsystem an.

Doch das Wasser ist nur eine der fünf Säulen der Kneipp‘schen Lehre, die dafür sorgen sollen, dass Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht werden. Neben der therapeutischen Anwendung von Wasser sind auch Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung Teil der Kneipp-Kur.

Kurpark Bad Camberg © Taunus Touristik Service

So viel zur Theorie, doch wie kann man das in der Praxis umsetzen?

Kneipp riet zu jeder Bewegung, die den Kreislauf in Schwung hält. Außerdem war er Verfechter des Barfußlaufens, um die Muskeln, Sehnen und Bänder zu trainieren, die Fußreflexzonen zu massieren und die Körperhaltung zu verbessern. Hierfür eignen sich beispielsweise die Barfußpfade im Taunus sehr.

Bei der Ernährung riet er zu einer vollwertigen Mischkost mit viel Gemüse, etwas Obst und wenig Fleisch. Auch hier würde heutzutage kaum jemand widersprechen.

Die Natur ist die beste Apotheke, wusste Kneipp. Und die Anwendung von Heilpflanzen ist auch in der Moderne noch ein probates Mittel um das Immunsystem zu unterstützen.

Gesundheitsgarten Bad Nauheim © BNST
Der Punkt der Lebensordnung ist vermutlich der, der in unserer schnelllebigen Zeit am Wichtigsten und zeitgleich am Schwierigsten umzusetzen ist. Neben geregelten Mahlzeiten und ausreichend Schlaf predigt Kneipp, dass man Stress vermeiden, soziale Kontakte pflegen und auf seine innere Uhr hören sollte.

Das klingt alles in allem nach einer sehr erstrebenswerten Lebensart, nicht nur als Kururlaub, sondern auch gut im Alltag umzusetzen.

Doch zurück im Park, am plätschernden Wassertretbecken, hat uns der Exkurs zwar gezeigt, dass man theoretisch schon vor 130 Jahren wusste, was wichtig für das Wohlbefinden ist, aber jetzt wollen wir auch den letzten Punkt ausprobieren: Die Wassertherapie.
Vor dem Wassertreten bitte beachten, dass die Füße und Beine warm sind, damit der Kältereiz seine volle Wirkung entfaltet. Besonders die Beinvenen erstarken durch diese Maßnahme. Daher lohnt sich der Spaziergang durch den Kurpark vor dem Wassertreten gleich doppelt.

  • Das Wasser sollte etwa eine Handbreit unterm Knie enden

  • Bei jedem Schritt den Fuß ganz aus dem Wasser heben (Storchengang)

  • Je nach Wassertemperatur sollte die Anwendung nur ½ bis 1 Minute dauern, spätestens aber enden, wenn der Kälteschmerz einsetzt

  • Das Wasser sollte nicht abgetrocknet, sondern lediglich mit den Händen abgestreift werden, damit im Anschluss sofort Strümpfe und Schuhe wieder angezogen werden

  • Im Anschluss sollte man durch Laufen wieder Wärme herstellen, daher sollte auch nicht direkt im Anschluss die nächste Wasser-Anwendung vorgenommen werden
Gesundheitsgarten Bad Nauheim © BNST
Ich kann für mich aus dem Erlebnis folgendes mitnehmen: In der Kneipp-Therapie konzentrieren sich die fünf Säulen darauf Körper und Seele in Einklang zu bringen. Jedes einzelne der Grundelemente zielt auf das ganzheitliche Wohlbefinden ab, im Zusammenspiel kann man sicher das beste Ergebnis für seine innere Balance und seine Gesundheit finden erreichen.

Hier ist eine Auswahl an Kneipp-Angeboten für Euch




Die Autorin: Leonie Maibach

Seit 15 Jahren ist Leonie Teil des Taunus Touristik Service. Als "Wehrheimer Määdsche" ist sie zwischen römischen Zeitzeugnissen und Apfelbäumen groß geworden. Die meisten Sehenswürdigkeiten kennt sie seit Kindertagen. Die Begeisterung für diese gibt sie heute an ihre eigenen Kinder weiter.

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